Warum ich diesen Artikel schreibe
In zwei Jahren mit Dellwarzen habe ich sehr viel gelesen. Ratgeber, Foren, Gesundheitsportale. Dabei sind mir immer wieder dieselben Annahmen begegnet. Einige davon habe ich selbst geglaubt.
Ich bin kein Arzt. Ich stelle hier nur gegenüber, was ich geglaubt oder gehört habe und was ich später in seriösen Quellen gelesen habe. Die Links stehen jeweils dabei, damit du selbst nachlesen kannst.
„Dellwarzen haben nur Kinder“
Wer nach Dellwarzen sucht, landet schnell bei Ratgebern für Eltern. Da liegt der Gedanke nahe, es sei eine reine Kinderkrankheit.
Die Mayo Clinic schreibt, dass Dellwarzen zwar am häufigsten bei Kindern vorkommen, aber auch Erwachsene betreffen können. Die American Academy of Dermatology nennt neben Kindern auch Sportler mit Hautkontakt, sexuell aktive Menschen und Menschen, die sich mit Infektionen schwertun. Bei Jugendlichen und Erwachsenen geschieht die Ansteckung laut dieser Quelle meist über sexuellen Kontakt.
Wichtig fand ich: Das heißt nicht, dass jede Ansteckung bei Erwachsenen beim Sex passiert. Dieselbe Quelle nennt auch Hautkontakt und geteilte Dinge wie Handtücher. Eine Diagnose sagt also nichts darüber aus, wie man sich angesteckt hat.
Für mich hieß das: Ich war kein seltsamer Einzelfall.
„Wer Dellwarzen hat, ist nicht sauber“
Diesen Gedanken hatte ich selbst, auch wenn ich ihn nie ausgesprochen habe. Ich habe mich unhygienisch gefühlt, obwohl ich mehr auf Hygiene geachtet habe als je zuvor.
Die American Academy of Dermatology beschreibt, dass man sich ansteckt, wenn das Virus auf die eigene Haut gelangt: durch Hautkontakt, durch Gegenstände, die eine betroffene Person berührt hat, oder durch geteilte Handtücher und Kleidung. Von mangelnder Sauberkeit als Ursache habe ich dort und in keiner anderen seriösen Quelle etwas gelesen.
„Dellwarzen sind ganz normale Warzen“
Am Anfang dachte ich, es seien ganz normale Warzen, wie man sie von Händen oder Füßen kennt, oder Pickel oder ein Pilz. Der deutsche Name legt das mit den Warzen ja auch nahe.
Beim Lesen habe ich gelernt, dass das nicht stimmt. Laut DermNet werden Dellwarzen von einem Virus aus der Familie der Pockenviren ausgelöst, dem Molluscum-contagiosum-Virus. Gewöhnliche Warzen dagegen gehen auf Papillomviren zurück. Es sind also zwei ganz verschiedene Dinge, die nur ähnlich heißen.
Laut Mayo Clinic sind Dellwarzen meist kleine, erhabene, runde Knötchen, oft mit einer kleinen Delle in der Mitte. Ob es wirklich Dellwarzen sind, kann aber nur eine Ärztin oder ein Arzt sicher sagen. Mehr dazu steht im Artikel Dellwarzen erkennen.
„Das geht in ein paar Wochen von allein weg“
Am Anfang habe ich gehofft, dass die Knötchen bald von selbst verschwinden. Bei mir war das zwei Jahre lang nicht so.
Dass Dellwarzen oft von selbst abheilen, steht tatsächlich in vielen Quellen. Die Mayo Clinic schreibt aber auch, dass die Knötchen ohne Behandlung meist innerhalb von sechs Monaten bis zwei Jahren verschwinden.
Meine Hautärztin sagte mir, dass sechs bis 18 Monate oder auch länger nicht ungewöhnlich seien.
„Von allein“ heißt also nicht unbedingt „schnell“. Das hätte ich gern früher gewusst. Mehr über meinen langen Verlauf steht im Artikel Dellwarzen gehen nicht weg.
„Dellwarzen müssen immer behandelt werden“
Diese Annahme ist mir beim Lesen immer wieder begegnet: als müsse man sofort etwas tun.
Die American Academy of Dermatology schreibt dagegen, dass eine Behandlung nicht immer nötig ist und der Körper das Virus bei einem gesunden Immunsystem von selbst los wird. Auch der NHS beschreibt, dass Dellwarzen meist ohne Behandlung abheilen. Die Cochrane-Übersichtsarbeit von 2017 kam zu dem Schluss, dass keine der untersuchten Behandlungen überzeugend besser abschneidet als andere.
Es gibt aber Situationen, in denen die Quellen ausdrücklich einen Arztbesuch nennen, zum Beispiel bei Stellen am Auge, im Intimbereich oder bei geschwächtem Immunsystem. Ob und wie behandelt wird, ist eine ärztliche Entscheidung. Mehr dazu steht im Artikel Mit Dellwarzen zum Arzt.
Was ich aus den Irrtümern mitnehme
Die meisten dieser Annahmen haben eines gemeinsam: Sie machen Dellwarzen größer, schmutziger oder dringlicher, als sie nach den Quellen sind. Oder sie versprechen, dass alles ganz schnell vorbei ist.
Seitdem achte ich mehr darauf, woher eine Information kommt. Öffentliche Gesundheitsportale und Fachgesellschaften haben kein Produkt zu verkaufen. Foren zeigen Erfahrungen, aber keine Regeln. Und auch diese Seite ist nur ein persönlicher Erfahrungsbericht.
Viele dieser Irrtümer entstehen wohl gar nicht aus böser Absicht. Sie entstehen, weil kaum jemand offen über Dellwarzen spricht. Wo geschwiegen wird, füllen Vermutungen die Lücke. Auch deshalb steht bei mir zu jeder Aussage eine Quelle.
Nach zwei Jahren war es bei mir vorbei. Ob das Zufall war? Ich weiß es nicht. Wie es dazu kam, erzähle ich in meiner Geschichte.