Eine Kinderkrankheit, mit der ich nicht gerechnet habe

Wenn man nach Dellwarzen sucht, landet man schnell bei Ratgebern für Eltern: Kita, Schwimmkurs, Kinderarzt. Beim Lesen habe ich mich oft gefragt, ob ich überhaupt richtig bin. Erwachsene kommen in vielen Texten nur am Rand vor.

Das hat einen Grund. Die meisten Studien, die ich gefunden habe, beschäftigen sich mit Kindern, weil Dellwarzen bei ihnen am häufigsten auftreten. Zahlen speziell zu Erwachsenen habe ich kaum gefunden. Für mich hieß das: Ich musste mir vieles selbst zusammensuchen.

Was bei Erwachsenen anders ist

Ich habe gelesen, dass sich Erwachsene häufig über engen Hautkontakt anstecken, auch beim Sex. Die Apotheken Umschau schreibt, dass Dellwarzen bei Erwachsenen deshalb häufig im Intimbereich auftreten.

In einer britischen Leitlinie zur sexuellen Gesundheit habe ich außerdem gelesen, dass Dellwarzen bei Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem ausgeprägter und hartnäckiger verlaufen können, teils mit sehr vielen Stellen. Bei ungewöhnlich vielen oder ungewöhnlich großen Stellen wird eine weitergehende ärztliche Abklärung beschrieben.

Für mich zeigt das vor allem, wie wichtig eine ärztliche Diagnose ist. Ob es überhaupt Dellwarzen sind und ob etwas anderes dahintersteckt, kann nur eine Ärztin oder ein Arzt beurteilen.

Dellwarzen sind keine gewöhnlichen Warzen

Am Anfang hielt ich die Knötchen für Pickel, dann für Pilz, und lange dachte ich, Dellwarzen seien einfach eine Form von Warzen. Bei DermNet habe ich gelesen, dass sie von einem eigenen Virus ausgelöst werden, dem Molluscum-contagiosum-Virus aus der Familie der Pockenviren. Woran man Dellwarzen erkennt und womit man sie verwechseln kann, habe ich im Artikel Dellwarzen oder etwas anderes? zusammengetragen.

Wann ich ärztlichen Rat für wichtig halte

In den Quellen bin ich immer wieder auf dieselben Situationen gestoßen, in denen ein Arztbesuch genannt wird, zum Beispiel bei Unsicherheit, bei Stellen in der Nähe des Auges, bei Entzündungen oder einem geschwächten Immunsystem. Die Liste mit Quellen steht im Artikel Mit Dellwarzen zum Arzt.

Unsicherheit

Am Anfang waren es nur ein paar kleine Knötchen. Ich habe sie kaum beachtet. Mit jeder neuen Stelle kamen aber neue Fragen: Wird es mehr? Habe ich etwas falsch gemacht? Sieht das jemand?

Diese Fragen haben mich durch den Alltag begleitet. Ich habe meine Haut vier- bis fünfmal am Tag kontrolliert. Das war mehr, als mir gutgetan hat.

Später habe ich gelesen: Laut DermNet liegen zwischen Ansteckung und sichtbarem Knötchen oft etwa zwei Wochen, es können aber bis zu sechs Monate sein. Das erklärt, warum man oft gar nicht nachvollziehen kann, woher neue Stellen kommen.

Das Gefühl, unhygienisch zu sein

Das Wort „ansteckend“ steckt schon im Namen: molluscum contagiosum. Ich habe in dieser Zeit mehr auf Hygiene geachtet als je zuvor, mit eigenen Handtüchern und Desinfektion. Und trotzdem habe ich mich oft unsauber gefühlt.

In keiner Quelle habe ich gelesen, dass Dellwarzen ein Zeichen mangelnder Hygiene sind. Das kann jedem passieren, egal wie sauber man ist.

Weniger Nähe, mehr Rückzug

Ich habe Berührungen vermieden und manche Verabredungen abgesagt. Sport, Schwimmbad und Sauna habe ich ausgelassen. Vieles davon hätte ich vermutlich gar nicht absagen müssen. Ich habe mich einfach nicht wohlgefühlt und wollte niemandem erklären, was mit meiner Haut los ist.

Sogar auf Urlaub habe ich verzichtet, wegen der Hotelhandtücher und anderer Dinge, die viele Menschen nutzen. Mehr dazu im Artikel Dellwarzen und Urlaub.

Die seelische Seite ist keine Einbildung

Eine große britische Studie hat 2015 über 300 Kinder mit Dellwarzen Monat für Monat begleitet. Bei den meisten war die Belastung im Alltag gering. Bei etwa jedem zehnten Kind war der Einfluss auf die Lebensqualität aber sehr stark. Und je mehr Stellen es gab, desto größer war die Belastung.

Die Studie betrifft Kinder, nicht Erwachsene. Für mich ist sie trotzdem ein Hinweis darauf, dass die seelische Seite real ist und auch in der Forschung gesehen wird.

Wie ich Informationen eingeordnet habe

Wer nach Dellwarzen sucht, findet sehr viel: Ratgeber, Shops, Foren, Erfahrungsberichte. Ich habe sehr viel davon gelesen, auch in Foren. Mit der Zeit habe ich angefangen, Quellen bewusster zu unterscheiden:

  • Öffentliche Gesundheitsportale wie gesund.bund.de oder der NHS erklären die Grundlagen sachlich und ohne Verkaufsinteresse.
  • Übersichtsarbeiten wie die der Cochrane Collaboration fassen viele Studien zusammen und zeigen, wie gut etwas tatsächlich untersucht ist.
  • Foren und Erfahrungsberichte, auch dieser hier, zeigen, wie sich etwas für einzelne Menschen angefühlt hat. Sie sagen aber nichts darüber, was bei dir passieren wird.
  • Bei Seiten, die ein bestimmtes Produkt als sichere Lösung anpreisen, bin ich vorsichtig geworden.

Genau deshalb steht unter jedem meiner Artikel, woher mein Wissen kommt. Du sollst nachprüfen können, was ich schreibe.

Scham und Schweigen

Über Dellwarzen spricht man nicht. Nicht mit Freunden, kaum mit der Familie. Außer der Person, mit der ich zusammengelebt habe, habe ich niemandem davon erzählt. Dadurch habe ich mich noch mehr allein gefühlt.

„Am meisten belastet hat mich nicht die Haut, sondern das Schweigen.“

Genau deshalb gibt es diese Seite. Ich hätte mir damals gewünscht, irgendwo die ehrliche Geschichte eines Erwachsenen zu lesen. Ohne Fachsprache, ohne Werbung, ohne Versprechen.

Was ich heute weiß

Nach allem, was ich gelesen habe, heilen Dellwarzen bei vielen von selbst ab, oft innerhalb von Monaten, manchmal aber erst nach Jahren. Dieses Glück hatte ich in den ersten zwei Jahren nicht. Dann habe ich meinen Ansatz grundlegend geändert, und am Ende des Monats mit meinem neuen Plan waren meine Dellwarzen weg. Ob das Zufall war? Ich weiß es nicht.