Was man überall liest

Öffentliche Gesundheitsquellen schreiben, dass Dellwarzen häufig von selbst abheilen, oft innerhalb von Monaten. Bei manchen dauert es aber deutlich länger, teils mehrere Jahre. Diesen zweiten Teil habe ich am Anfang überlesen.

„Das geht von allein weg“ ist ein beruhigender Satz. Er wird aber schwer auszuhalten, wenn Monat für Monat neue Stellen dazukommen.

Was die Forschung zur Dauer sagt

Die genauesten Zahlen, die ich gefunden habe, stammen aus einer britischen Studie, die 2015 in der Fachzeitschrift The Lancet Infectious Diseases erschienen ist. Die Forschenden haben über 300 Kinder mit Dellwarzen Monat für Monat begleitet. Im Durchschnitt dauerte es gut 13 Monate, bis keine Stellen mehr zu sehen waren.

Mehr beschäftigt hat mich der Rest: Bei etwa 30 Prozent waren die Dellwarzen nach anderthalb Jahren noch da, bei 13 Prozent sogar nach zwei Jahren. Die Studie betrifft Kinder. Sie zeigt aber, dass ein langer Verlauf nicht ungewöhnlich ist.

Der Anfang

Ein paar kleine rote Knötchen. Zuerst hielt ich sie für Pickel, dann für Pilz. Erst etwa vier Wochen später war ich bei der Hautärztin, und das Ganze bekam einen Namen: Dellwarzen, molluscum contagiosum. Meine Hautärztin sagte, sechs bis achtzehn Monate oder länger seien nicht ungewöhnlich.

Das erste Jahr

Ich habe Cremes und Lösungen aufgetragen, desinfiziert und meine Handtücher getrennt. Einzelne Stellen wurden besser, und ich habe gehofft, dass es das jetzt war. Aber es kamen immer wieder neue dazu. Dieses Auf und Ab war für mich fast schlimmer als die Stellen selbst.

Irgendwann habe ich angefangen, Mengen an neuer Wäsche und Kleidung zu kaufen, damit ich jeden Tag etwas Neues tragen konnte. Ich wollte ausschließen, dass die Dellwarzen über alte Wäsche zurückkommen, obwohl ich alles gewaschen hatte. Dafür habe ich mehrere hundert Euro ausgegeben.

Warum trotzdem neue Stellen kommen können

Lange habe ich nicht verstanden, warum ständig neue Knötchen auftauchten, obwohl ich doch etwas dagegen tat. Beim Lesen bin ich auf zwei Erklärungen gestoßen.

Erstens die Inkubationszeit: Laut DermNet liegen zwischen Ansteckung und sichtbarem Knötchen oft etwa zwei Wochen, es können aber bis zu sechs Monate sein. Neue Stellen können also auf eine Ansteckung zurückgehen, die schon länger zurückliegt.

Zweitens die sogenannte Selbstansteckung: Durch Kratzen oder Reiben kann das Virus auf andere Hautstellen am eigenen Körper gelangen. Was ich darüber gelesen habe, steht im Artikel Warum breiten sich Dellwarzen am eigenen Körper aus?

Beides hat mir geholfen zu verstehen, warum es sich anfühlen kann, als würde man gegen etwas ankämpfen, das immer einen Schritt voraus ist.

Was ich über Behandlungen gelesen habe

Ärztinnen und Ärzte kennen verschiedene Möglichkeiten, Dellwarzen zu entfernen, zum Beispiel das Vereisen, das Abtragen mit einem scharfen Löffel oder Lösungen, die auf die Haut aufgetragen werden. Welche davon infrage kommt, ist eine ärztliche Entscheidung. Einen Überblick gibt gesund.bund.de.

Überrascht hat mich eine Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration aus dem Jahr 2017. Sie hat 22 Studien ausgewertet und kam zu dem Schluss, dass keine der untersuchten Behandlungen überzeugend wirksam war. Ein in Studien häufig untersuchter Wirkstoff zum Auftragen wirkte nicht besser als ein Präparat ohne Wirkstoff, verursachte aber mehr Hautreizungen.

Das hat mir geholfen einzuordnen, warum so viele Versuche ins Leere laufen können. Das eine Mittel, das bei allen hilft, scheint es nach heutigem Wissen nicht zu geben.

Wann Abwarten nach den Quellen keine gute Idee ist

Abwarten ist nicht in jeder Situation die richtige Wahl. In der britischen Leitlinie und in anderen Quellen habe ich gelesen, dass bei Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem, bei sehr vielen oder sehr großen Stellen und bei Stellen in der Nähe der Augen eine ärztliche Begleitung besonders wichtig ist. Auch wenn die Belastung im Alltag sehr groß wird, ist das ein Grund, mit einer Ärztin oder einem Arzt über die Möglichkeiten zu sprechen.

Das zweite Jahr

Weitere Arztbesuche, weitere Versuche. Ich habe sehr viel in Foren gelesen und mehr Zeit mit meiner Haut verbracht als mit allem anderen. Irgendwann war ich vor allem müde: vom Kontrollieren, vom Hoffen, vom Enttäuschtwerden.

Am Ende war ich so weit, dass ich Immunkuren gemacht habe, in der Hoffnung, dass mein Körper besser gegen das Virus ankämpft. Was ich später darüber gelesen habe, steht im Artikel Dellwarzen und das Immunsystem.

Der Wendepunkt

Nach zwei Jahren habe ich aufgehört, nach dem einen Mittel zu suchen. Ich habe alles hinterfragt, was ich bis dahin gemacht hatte, und mir einen festen Plan für 30 Tage gemacht. Einiges, was ich lange gemacht hatte, habe ich weggelassen. Pro Tag waren es nur noch drei bis vier Anwendungen.

Nach etwa sieben Tagen merkte ich, dass die betroffenen Hautstellen austrockneten. Rund 30 Tage später war bei mir nichts mehr zu sehen. Ob das Zufall war? Ich weiß es nicht.

Was ich später über das Abheilen gelesen habe

Erst später bin ich in Fachartikeln auf das sogenannte BOTE-Zeichen gestoßen. Die Abkürzung steht für „beginning of the end“, also den Anfang vom Ende. Gemeint ist, dass sich Dellwarzen kurz vor dem Abheilen oft entzünden, röten oder anschwellen. In einem Fallbericht aus dem Jahr 2025 wird das als Reaktion des Immunsystems beschrieben, die dem Abheilen häufig vorausgeht.

Ich finde das spannend, weil es zeigt, wie unterschiedlich ein Verlauf aussehen kann. Ob so etwas bei mir eine Rolle gespielt hat, kann ich nicht beurteilen. Eine Entzündung kann außerdem andere Ursachen haben. Wenn sich Stellen entzünden, stark röten oder schmerzen, gehört das ärztlich angeschaut.

Was ich aus den zwei Jahren mitnehme

Ein Verlauf kann sehr unterschiedlich sein. „Einfach abwarten“ ist für manche nach ein paar Wochen erledigt und für andere eben nicht. Wenn du gerade mittendrin steckst: Du bist mit diesem Gefühl nicht allein.

Nach allem, was ich gelesen habe, gehören Hautveränderungen ärztlich abgeklärt, besonders wenn sie sich entzünden, in der Nähe der Augen auftreten oder unklar ist, was es ist.