Meine Arztbesuche

Am Anfang waren es nur ein paar kleine rote Knötchen. Ich habe gehofft, dass sie von selbst verschwinden. Zuerst hielt ich sie für Pickel, dann für einen Pilz. Erst etwa vier Wochen später war ich bei einer Hautärztin. Dort bekam das Ganze einen Namen: Dellwarzen, molluscum contagiosum.

In den zwei Jahren danach folgten weitere Arztbesuche. Dazwischen habe ich Cremes und Lösungen aufgetragen, desinfiziert und gehofft. Ich bin also kein Gegner von Arztbesuchen, ganz im Gegenteil. Ich weiß aber auch, wie es sich anfühlt, wenn nach mehreren Terminen immer noch neue Stellen kommen.

Ich war die meiste Zeit bei derselben Hautärztin, zwischendurch auch bei anderen Ärztinnen und Ärzten. Am Anfang alle paar Wochen, später, als ich immer verzweifelter wurde, häufiger. Irgendwann habe ich mich wie ein Dauerpatient gefühlt, und das war mir unangenehm, fast beschämend. Bei den Terminen haben wir gezählt, wie viele Stellen seit dem letzten Mal dazugekommen waren. Angeschlagen hat in dieser Zeit nichts.

Meine Hautärztin sagte mir, dass sechs bis 18 Monate oder auch länger nicht ungewöhnlich seien. Bei mir wurden es am Ende rund zwei Jahre.

Hausarzt oder Hautarzt?

Eine Frage, die sich viele stellen: Wohin geht man eigentlich damit? Für viele ist die Hausarztpraxis die erste Anlaufstelle, für Hautveränderungen gibt es die Hautarztpraxis, und bei Kindern ist die Kinderarztpraxis zuständig.

In der Apotheken Umschau habe ich gelesen, dass Hautärztinnen und Hautärzte die Diagnose normalerweise anhand des typischen Aussehens der Dellwarzen stellen. Im britischen Gesundheitssystem nennt der NHS als ersten Schritt die Hausarztpraxis. Von dort kann laut NHS an Spezialisten überwiesen werden, zum Beispiel wenn Stellen an den Augenlidern oder am Auge auftreten oder das Immunsystem geschwächt ist.

Welcher Weg passt, hängt von der eigenen Situation ab. Beides ist möglich.

Über Dellwarzen zu sprechen, ist mir schwergefallen, auch in einer Praxis. Geholfen hätte mir das Wissen, dass Dellwarzen dort kein ungewöhnliches Anliegen sind. Die Mayo Clinic beschreibt sie als recht häufige Virusinfektion der Haut. Ich bin also vermutlich nicht der Erste, der mit diesem Thema in einer Praxis sitzt.

Wie sehr mich die Scham damals begleitet hat, beschreibe ich im Artikel Dellwarzen und Scham.

Wann die Quellen einen Arztbesuch nennen

Der NHS zählt mehrere Situationen auf, in denen man mit Dellwarzen in die Hausarztpraxis gehen sollte. Zusammengefasst, so wie ich es gelesen habe:

  • wenn man nicht sicher ist, ob es überhaupt Dellwarzen sind,
  • wenn Stellen stark jucken, schmerzen, anschwellen oder verkrusten,
  • wenn Stellen in der Nähe der Augen oder im Intimbereich auftreten,
  • wenn das Immunsystem geschwächt ist.

Auch die Mayo Clinic schreibt, dass man sich an eine Ärztin oder einen Arzt wenden kann, wenn man vermutet, dass man selbst oder das eigene Kind Dellwarzen hat.

Das ist keine vollständige Liste und ersetzt kein Gespräch in einer Praxis. Ich gebe hier nur wieder, was dort steht. Bitte lies selbst nach.

Für mich war vor allem der erste Punkt wichtig. Am Anfang wusste ich schlicht nicht, was das auf meiner Haut ist. Ohne Diagnose hätte ich mir vermutlich noch viel mehr Sorgen gemacht.

Wie die Diagnose gestellt wird

Wie läuft so eine Diagnose eigentlich ab? Die American Academy of Dermatology schreibt, dass Hautärzte Dellwarzen meist schon durch genaues Anschauen erkennen. Wenn mehr Informationen nötig sind, kann etwas Haut abgeschabt und unter dem Mikroskop untersucht werden.

In einer Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2019 habe ich gelesen, dass die Diagnose meist anhand des Aussehens gestellt wird. Als Hilfsmittel wird dort die Dermatoskopie genannt, also die Untersuchung mit einer speziellen Lupe mit Licht. Bei Zweifeln kann eine Gewebeprobe weiterhelfen.

Die Diagnose selbst ist nach dem, was ich gelesen habe, meist unkompliziert. Schwer war für mich etwas anderes: immer wieder hinzugehen.

Intimbereich und Augen

Zwei Körperstellen tauchen in den Quellen immer wieder besonders auf. Für Stellen im Intimbereich gibt es in Großbritannien sogar eine eigene Leitlinie aus dem Bereich sexuelle Gesundheit. Dort wird beschrieben, wie Fachleute bei Erwachsenen mit Dellwarzen im Intimbereich vorgehen. Mehr dazu schreibe ich im Artikel Dellwarzen im Intimbereich.

Bei Stellen am oder in der Nähe des Auges nennen die Quellen ebenfalls einen Arztbesuch. Die Mayo Clinic beschreibt, dass sich bei Stellen an den Augenlidern eine Bindehautentzündung entwickeln kann. Das gehört in ärztliche Hände und nicht in ein Forum.

Was ein Arzttermin leisten kann und was nicht

Ein Arzt kann sagen, ob es Dellwarzen sind, und mit dir über die Möglichkeiten sprechen. Die American Academy of Dermatology schreibt, dass eine Behandlung nicht immer nötig ist und der Körper das Virus bei einem gesunden Immunsystem von selbst los wird. Eine Behandlung wird dort zum Beispiel bei Neurodermitis, bei Stellen im Intimbereich, bei geschwächtem Immunsystem mit vielen Stellen oder bei besonders belastenden Stellen in Betracht gezogen.

Die Cochrane-Übersichtsarbeit von 2017 kam zu dem Schluss, dass keine der untersuchten Behandlungen klar besser abschneidet als andere. Für mich erklärt das, warum ein Arzttermin nicht automatisch das Ende der Dellwarzen bedeutet. Es ist eher der Anfang eines Gesprächs.

Was ein Arzttermin für mich trotzdem geleistet hat: Er hat aus etwas Unbekanntem etwas mit einem Namen gemacht. Das war ein erster Schritt gegen die Unsicherheit.

Wie Dellwarzen aussehen und womit sie verwechselt werden können, habe ich im Artikel Dellwarzen erkennen zusammengetragen. Nach zwei Jahren war es bei mir vorbei. Ob das Zufall war? Ich weiß es nicht. Wie es dazu kam, erzähle ich in meiner Geschichte.