Immer einen Schritt voraus
Am Anfang waren es nur ein paar kleine Knötchen. Mit der Zeit kamen immer wieder neue dazu, auch an anderen Stellen. Ich hatte das Gefühl, gegen etwas anzukämpfen, das mir immer einen Schritt voraus ist.
Lange habe ich nicht verstanden, warum das so ist. Ich habe doch etwas dagegen getan: Cremes, Lösungen, Desinfektion, getrennte Handtücher. Beim Lesen bin ich auf einen Begriff gestoßen, der mir einiges erklärt hat: Selbstansteckung.
Was Selbstansteckung bedeutet
Selbstansteckung heißt, dass das Virus von einer Hautstelle auf eine andere am eigenen Körper gelangt. In Fachtexten heißt das Autoinokulation. Die Mayo Clinic beschreibt, dass das passieren kann, wenn man an den Knötchen kratzt oder reibt. Das Virus kommt so auf benachbarte Haut.
In einer medizinischen Fachübersicht wird die Selbstansteckung durch Kratzen ebenfalls als einer der Wege beschrieben, über die sich Dellwarzen verbreiten. Daneben stehen dort der Hautkontakt mit anderen Menschen und gemeinsam genutzte Gegenstände.
Für mich war es hilfreich, zwei Dinge auseinanderzuhalten. Das eine ist die Weitergabe an andere Menschen, über Haut, Handtücher oder Kleidung. Darum geht es im Artikel Wie lange sind Dellwarzen ansteckend?. Das andere ist die Ausbreitung am eigenen Körper. Um die geht es hier.
Bei DermNet habe ich gelesen, dass durch Kratzen oft neue Knötchen in einer Reihe entstehen, entlang der Kratzspur. Dieses Bild fand ich sehr anschaulich. Es zeigt, wie direkt sich das Virus mit der Hand auf der Haut weitertragen lässt.
Kratzen, Reiben, Drücken
Die American Academy of Dermatology schreibt in ihren Tipps, dass Kratzen und Herumdrücken an den Knötchen das Virus auf andere Körperstellen übertragen kann. Sie nennt noch einen zweiten Punkt: Über Hände und Fingernägel können Bakterien in die Knötchen gelangen. Die Stellen können sich dann entzünden und schmerzhaft werden.
Außerdem habe ich dort gelesen, dass die AAD empfiehlt, nach dem Berühren der Knötchen die Hände zu waschen und Dellwarzen nicht selbst auszudrücken.
Ein Punkt aus den Tipps der AAD betrifft nicht andere Menschen, sondern den eigenen Körper: Dort wird beschrieben, beim Abtrocknen zwei Handtücher zu benutzen, eines für die betroffene Haut und eines für die übrige Haut. Ich hatte meine Handtücher von denen anderer getrennt. Diese Unterscheidung zwischen anderen Menschen und dem eigenen Körper fand ich beim Lesen bemerkenswert.
Ich gebe das nur wieder. Bei Fragen zum Umgang mit den eigenen Stellen ist eine Ärztin oder ein Arzt die richtige Anlaufstelle.
Rasieren und Haarentfernung
Auch das Rasieren wird in den Quellen genannt: Die AAD schreibt, dass Rasieren über betroffene Stellen das Virus verteilen kann, und rät, eine Elektrolyse (dauerhafte Haarentfernung) aufzuschieben, solange Dellwarzen auf der Haut sind. Mehr dazu steht im Artikel Dellwarzen und Rasieren.
Juckreiz und gereizte Haut
Bei der Mayo Clinic habe ich gelesen, dass Dellwarzen jucken können. Das ist doppelt unangenehm, weil Juckreiz zum Kratzen verleitet und Kratzen die Ausbreitung fördern kann. Bei mir haben die Stellen immer mal wieder gejuckt, aber nicht ständig. Mehr dazu steht im Artikel Dellwarzen jucken oder entzünden sich.
Wie sich das für mich angefühlt hat
Zu verstehen, dass man die Dellwarzen am eigenen Körper selbst weitertragen kann, war für mich eine Erklärung. Gleichzeitig hat es das Gefühl verstärkt, unhygienisch zu sein. Und das, obwohl ich mehr auf Hygiene geachtet habe als je zuvor.
Ich habe meine Haut vier- bis fünfmal am Tag kontrolliert, öfter, als mir gutgetan hat. Jede neue Stelle hat dieselbe Frage ausgelöst: Habe ich etwas falsch gemacht? Dazu kam die Scham. Über Dellwarzen spricht man nicht, und schon gar nicht darüber, dass sie sich am eigenen Körper ausbreiten. Also habe ich außer zu Hause mit niemandem darüber gesprochen.
In keiner Quelle habe ich gelesen, dass Selbstansteckung ein Zeichen mangelnder Sauberkeit ist. Das kann jedem passieren.
Nach zwei Jahren war es bei mir vorbei. Ob das Zufall war? Ich weiß es nicht. Wie es dazu kam, erzähle ich in meiner Geschichte.