Eine Frage, die man nicht gern stellt

Über Rasieren und Dellwarzen spricht kaum jemand. Dabei taucht das Thema in vielen seriösen Quellen auf, meist in einem kurzen Satz am Rand. Diesen Satz überliest man leicht.

Dieser Artikel ist keine Anleitung. Ich gebe wieder, was ich gelesen habe, und verlinke die Quellen, damit du selbst nachlesen kannst. Was für dich gilt, klärst du am besten ärztlich.

Bei mir war es so: Am Anfang, als ich die Knötchen noch für Pickel hielt, habe ich mich ganz normal rasiert. Nach der Diagnose habe ich damit aufgehört.

Was ich über Rasieren und Ausbreitung gelesen habe

Die Mayo Clinic schreibt, dass auch das Rasieren über betroffene Stellen das Virus verbreiten kann. Wer Knötchen in Bereichen hat, die rasiert werden, solle deshalb nicht über die Knötchen rasieren.

Ähnlich klingt die US-Gesundheitsbehörde CDC. In ihren Hinweisen zur Vorbeugung steht, betroffene Stellen nicht zu rasieren und dort auch keine Haarentfernung machen zu lassen.

Ich gebe das hier nur wieder. Es sind Hinweise dieser Stellen, keine Empfehlung von mir.

Mich hat überrascht, wie selbstverständlich dieser Punkt in den Quellen steht. Im Alltag denkt man beim Rasieren an vieles, aber kaum an ein Virus. Mit Dellwarzen ist für mich vieles, was vorher Routine war, zur Frage geworden.

Wie Rasieren das Virus verteilen könnte: die Beobachtung aus Frankreich

Lange habe ich nicht verstanden, warum ausgerechnet Rasieren eine Rolle spielen soll. Beim Lesen bin ich auf zwei Gedanken gestoßen.

Erstens kann die Klinge das Virus von einer Hautstelle zur nächsten tragen. Das gehört zur sogenannten Selbstansteckung, über die ich auch im Artikel Dellwarzen und Kratzen schreibe.

Zweitens entstehen beim Rasieren winzige Verletzungen in der Haut. In einem Fachbeitrag aus Frankreich vermuten die Autoren, dass solche kleinen Verletzungen die Ansteckung und Ausbreitung begünstigen könnten.

Dieser Beitrag erschien 2013 in der Fachzeitschrift Sexually Transmitted Infections. Hautärzte aus Nizza haben darin 30 Menschen mit Dellwarzen beschrieben, die in ihre Praxis kamen. Bei fast allen war die Schambehaarung entfernt worden, meistens durch Rasieren.

Wichtig fand ich die Einschränkung: Es ist eine Beobachtung an wenigen Menschen, keine kontrollierte Studie. Die Autoren schreiben selbst, dass ihr Verdacht in weiteren Studien bestätigt werden muss. Ein Beweis ist das also nicht. Für mich war es trotzdem eine Erklärung dafür, warum das Thema in Leitlinien auftaucht.

Dazu kommt etwas, das ich bei DermNet über die Inkubationszeit gelesen habe: Zwischen Ansteckung und sichtbarem Knötchen liegen oft etwa zwei Wochen, es können aber bis zu sechs Monate sein. Ob eine neue Stelle mit dem Rasieren zu tun hat, lässt sich im Alltag deshalb kaum nachvollziehen.

Was Leitlinien zur sexuellen Gesundheit schreiben

Besonders deutlich wird das Thema in Texten zur sexuellen Gesundheit. In einem Merkblatt eines schottischen Netzwerks für sexuelle Gesundheit habe ich gelesen, dass dort geraten wird, die betroffene Region nicht zu rasieren und nicht zu wachsen.

Auch in einer britischen Leitlinie zur sexuellen Gesundheit wird beschrieben, dass Betroffenen geraten wird, im Genitalbereich auf Rasieren und Waxing zu verzichten, damit sich die Stellen nicht weiter ausbreiten. Mehr zum Intimbereich schreibe ich im Artikel Dellwarzen im Intimbereich.

Mir hat geholfen, das Thema nüchtern zu sehen. Ausgelöst werden Dellwarzen von einem Virus. Rasieren wird in den Quellen als ein möglicher Weg beschrieben, wie sich vorhandene Stellen am eigenen Körper verteilen können, nicht als Ursache.

Was ich nicht gefunden habe

Zu vielen Fragen rund ums Rasieren habe ich keine belastbaren Antworten gefunden. Zum Beispiel, ob ein bestimmter Rasierer, eine Enthaarungscreme oder Lasern einen Unterschied macht. Auch dazu, ab wann man nach dem Abheilen wieder wie gewohnt rasieren kann, habe ich in seriösen Quellen nichts Klares gelesen.

Was ich in Foren dazu gefunden habe, war oft widersprüchlich und ohne Quellen. Deshalb gebe ich es hier nicht wieder. Wenn dich eine dieser Fragen betrifft, ist eine Hautarztpraxis die richtige Anlaufstelle.

Was ich daraus mitnehme

Rasieren ist ein kleines Thema, das man leicht übersieht. Für mich ist es ein Beispiel dafür, wie viele Alltagsdinge mit Dellwarzen plötzlich zur Frage werden. Zusammengefasst habe ich in den verlinkten Quellen vor allem diese Punkte gelesen:

  • Die Mayo Clinic und andere Stellen raten davon ab, über betroffene Stellen zu rasieren.
  • Leitlinien zur sexuellen Gesundheit raten bei Dellwarzen im Genitalbereich von Rasieren und Waxing ab.
  • Eine kleine Beobachtung aus Frankreich vermutet einen Zusammenhang mit der Entfernung der Schambehaarung, bewiesen ist er nicht.
  • Zu Rasierern, Cremes oder Lasern habe ich keine belastbaren Angaben gefunden.

Alles Weitere gehört in ein ärztliches Gespräch.

Nach zwei Jahren war es bei mir vorbei. Ob das Zufall war? Ich weiß es nicht. Wie es dazu kam, erzähle ich in meiner Geschichte.