Warum mich das Thema interessiert
Ich hatte rund zwei Jahre lang Dellwarzen. In dieser Zeit war ich meist bei derselben Hautärztin, zusätzlich bei anderen Ärzten, und habe Cremes und Lösungen ausprobiert. Bei mir schlug nichts davon an. Ich habe damals sehr viel gelesen, vor allem in Foren, und mich oft gefragt, warum es nicht einfach ein Mittel gibt, das zuverlässig hilft.
Dieser Artikel ist keine Empfehlung und keine Anleitung. Ich schreibe auf, was ich in Studien und Fachmedien gelesen habe. Ob eine Behandlung infrage kommt und welche, kann nur eine Ärztin oder ein Arzt entscheiden.
In den USA gab es lange kein Mittel speziell für Dellwarzen
Überrascht hat mich, wie lange es in den USA kein Arzneimittel gab, das speziell für Dellwarzen zugelassen war. Nach dem, was ich gelesen habe, wurden dort Verfahren und Mittel eingesetzt, die eigentlich für andere Zwecke gedacht waren. Eine Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration kam 2017 zu dem Schluss, dass keine der damals untersuchten Behandlungen überzeugend wirksam war. Mehr dazu steht im Artikel Dellwarzen gehen nicht weg.
Seitdem hat sich in den USA etwas getan. Dort hat die Arzneimittelbehörde FDA in kurzer Folge zwei Mittel zugelassen. Ich nenne hier bewusst nur die Wirkstoffe, keine Produktnamen.
2023: eine Lösung mit dem Wirkstoff Cantharidin
Im Juli 2023 hat die US-Arzneimittelbehörde FDA nach eigener Mitteilung eine Lösung mit dem Wirkstoff Cantharidin zugelassen, für Erwachsene und Kinder ab zwei Jahren. Sie wird nicht zu Hause verwendet, sondern in der Praxis von medizinischem Personal auf die Stellen aufgetragen.
Grundlage waren zwei große Studien, die 2020 in der Fachzeitschrift JAMA Dermatology erschienen sind. Daran nahmen 528 Menschen ab zwei Jahren teil. Die Lösung wurde alle drei Wochen aufgetragen, bis die Stellen weg waren, höchstens aber viermal. Am Ende waren in der einen Studie bei 46 Prozent der Behandelten alle Stellen verschwunden, in der anderen bei 54 Prozent. In den Vergleichsgruppen, die eine Lösung ohne Wirkstoff bekamen, waren es 18 und 13 Prozent.
Als häufige Nebenwirkungen wurden Reaktionen an der behandelten Stelle beschrieben, zum Beispiel Bläschen, Schmerzen und Juckreiz. Laut den Studien waren sie meist leicht bis mittelstark.
2024: ein Gel mit dem Wirkstoff Berdazimer
Im Januar 2024 folgte laut dem Fachmagazin Dermatology Times ein Gel mit dem Wirkstoff Berdazimer, zugelassen ab einem Jahr. Anders als die Lösung wird es zu Hause einmal täglich aufgetragen.
Die entscheidende Studie erschien 2022 ebenfalls in JAMA Dermatology. Knapp 900 Menschen haben das Gel oder ein Gel ohne Wirkstoff zwölf Wochen lang aufgetragen. Danach waren bei 32,4 Prozent der Menschen mit dem Wirkstoff alle Stellen verschwunden, in der Vergleichsgruppe bei 19,7 Prozent. Als häufigste Nebenwirkungen nennt die Studie Schmerzen und Rötungen an der Auftragsstelle, meist leicht bis mittelstark.
Was mir beim Lesen aufgefallen ist
Mich haben weniger die Prozentzahlen beschäftigt als das, was zwischen den Zeilen steht. Auch in den Vergleichsgruppen ohne Wirkstoff waren bei einem Teil der Menschen nach einigen Wochen alle Stellen verschwunden. Das passt zu dem, was ich überall gelesen habe: Dellwarzen heilen oft von selbst ab, nur weiß niemand vorher, wann.
Umgekehrt heißt es auch: Selbst mit den neuen Mitteln waren nach der Studienzeit bei vielen Menschen noch Stellen zu sehen. Ein Mittel, das bei allen sicher hilft, beschreiben auch diese Studien nicht.
Und noch etwas: Die Studien liefen in den USA, und teilnehmen konnten schon Kleinkinder. Wie gut die Ergebnisse auf Erwachsene wie mich übertragbar sind, kann ich nicht beurteilen.
Und in Deutschland?
Als ich das im Oktober 2026 geschrieben habe, hatte ich keine Hinweise darauf gefunden, dass die beiden Mittel in der EU zugelassen sind. Ob und wie sie in Deutschland zu bekommen sind, kann ich nicht sagen. Das können eine Hautärztin, ein Hautarzt oder die Apotheke beantworten.
Was es hierzulande gibt, beschreibt gesund.bund.de. Auch das britische NHS schreibt, dass Dellwarzen oft ohne Behandlung abheilen und eine Behandlung nicht immer nötig ist.
Was ich daraus mitnehme
Für mich ist es ein gutes Zeichen, dass inzwischen gezielt an Mitteln gegen Dellwarzen geforscht wird. Wer, wie ich, jahrelang damit lebt, weiß, wie sehr sie den Alltag bestimmen können.
Gleichzeitig habe ich gelernt, Erfolgsmeldungen nüchtern zu lesen. Prozentzahlen aus Studien sagen wenig darüber, wie es bei einem selbst verläuft. Meine Hautärztin sagte mir damals, sechs bis achtzehn Monate oder länger seien nicht ungewöhnlich. Bei mir waren es rund zwei Jahre.
Wenn du gerade mittendrin steckst: Ob und welche Behandlung für dich infrage kommt, besprichst du am besten mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Und lass dich nicht entmutigen, wenn lange nichts anschlägt. Bei mir war das zwei Jahre lang so.