Zu Hause wird vieles geteilt

Ein Bad, ein Sofa, eine Waschmaschine. Zu Hause teilt man vieles, ohne darüber nachzudenken. Mit Dellwarzen habe ich angefangen, genau darüber nachzudenken. Bei fast jedem Gegenstand habe ich mich gefragt, ob ich damit jemanden anstecken könnte.

Dieser Artikel ist keine Anleitung. Ich schreibe auf, was ich erlebt habe und was ich in seriösen Quellen gelesen habe. Was für deinen Haushalt gilt, klärst du am besten ärztlich.

Ich habe in der Zeit nicht allein gewohnt, sondern in einer Partnerschaft, mit gemeinsamer Wohnung. Die Frage, ob ich die Person, mit der ich zusammenlebe, anstecken könnte, war deshalb jeden Tag da.

Was ich über die Übertragung zu Hause gelesen habe

Laut der US-Gesundheitsbehörde CDC wird das Virus über direkten Hautkontakt weitergegeben und über Gegenstände, die mit den Knötchen in Berührung gekommen sind, zum Beispiel Handtücher, Kleidung oder Spielzeug. Auch der britische NHS nennt gemeinsam genutzte Handtücher als möglichen Weg.

Wie leicht das im engen Alltag passieren kann, zeigt eine britische Langzeitstudie von 2015. Dort haben sich die Dellwarzen bei 41 Prozent der betroffenen Kinder auch auf andere Kinder im selben Haushalt übertragen. Die Studie betrifft Familien mit Kindern. Für Haushalte von Erwachsenen habe ich keine vergleichbaren Zahlen gefunden.

Mich hat diese Zahl nachdenklich gemacht. Sie zeigt, dass eine Übertragung im eigenen Zuhause nichts Ungewöhnliches ist. Und sie zeigt auch, dass niemand etwas falsch gemacht haben muss, wenn es passiert.

Außerdem habe ich bei DermNet gelesen, dass zwischen Ansteckung und sichtbarem Knötchen oft etwa zwei Wochen liegen, es können aber bis zu sechs Monate sein. Wer sich bei wem angesteckt hat, lässt sich deshalb oft gar nicht sagen. Mehr dazu steht im Artikel Wie lange sind Dellwarzen ansteckend?.

Handtücher: meine feste Regel im Bad

Das Erste, was ich geändert habe, waren die Handtücher. Ich habe meine von denen anderer getrennt. Das war meine feste Regel im Bad.

Getrennte Handtücher sind der Punkt, der mir in den Quellen am häufigsten begegnet ist. Er stand bei der CDC, beim NHS und in fast jedem anderen seriösen Text, den ich gelesen habe.

Wie sehr mich das Thema Handtücher beschäftigt hat, zeigt sich auch daran, dass ich in den zwei Jahren auf Urlaub verzichtet habe. Mehr dazu steht im Artikel Dellwarzen und Urlaub.

Bettwäsche, Kleidung und meine eigene Wäsche

In einem Merkblatt eines schottischen Netzwerks für sexuelle Gesundheit habe ich gelesen, dass dort geraten wird, neben Handtüchern auch Bettwäsche nicht mit anderen zu teilen. Kleidung wird in mehreren Quellen ebenfalls als möglicher Übertragungsweg genannt.

Eine bestimmte Waschtemperatur oder den Rat, Wäsche zu ersetzen, habe ich in keiner seriösen Quelle gefunden. Die Quellen sprechen davon, Dinge nicht zu teilen.

Ich hatte trotzdem Angst, dass die Dellwarzen über meine eigene Wäsche immer wieder zurückkommen. Also habe ich meine Wäsche in der Zeit getrennt und besonders heiß gewaschen. Dazu habe ich Mengen an neuer Wäsche gekauft, vor allem Unterwäsche, damit ich jeden Tag etwas Neues tragen konnte. Das waren mehrere hundert Euro, und neue Stellen kamen trotzdem dazu. Mehr dazu steht im Artikel Was mich Dellwarzen gekostet haben.

Ich verstehe aber gut, warum ich so gehandelt habe. Wenn ständig neue Stellen auftauchen, will man irgendetwas tun, das man selbst in der Hand hat. Die Waschmaschine und der nächste Einkauf waren so etwas.

Desinfizieren und das Gefühl, unsauber zu sein

Ich habe betroffene Stellen desinfiziert und sehr auf Hygiene geachtet. Trotzdem habe ich mich in der Zeit oft unhygienisch gefühlt, gerade zu Hause, wo man eigentlich zur Ruhe kommen möchte.

Dazu kam die Scham. Auch zu Hause wollte ich nicht, dass das Thema ständig sichtbar ist. Oft habe ich mich damit allein gefühlt.

In keiner Quelle habe ich gelesen, dass Dellwarzen ein Zeichen mangelnder Sauberkeit sind. Mehr über meinen Alltag mit Hygiene steht im Artikel Hygiene im Alltag mit Dellwarzen.

Über das Thema sprechen

Wer zusammenwohnt, bekommt einiges mit: getrennte Handtücher, neue Wäsche, das ständige Kontrollieren. Ich hatte oft das Gefühl, etwas erklären zu müssen, und wollte es gleichzeitig nicht. Dellwarzen sind ein Tabuthema, auch in den eigenen vier Wänden.

Rückblickend denke ich, dass sachliche Informationen ein Gespräch leichter machen können. Eine Seite wie gesund.bund.de erklärt die Grundlagen ruhig und ohne Verkaufsinteresse. So kann jeder selbst nachlesen, worum es geht.

Bei uns war es so: Am Anfang haben wir offen darüber gesprochen. Mit der Zeit wurde es zu einem nervigen Dauerthema, und irgendwann haben wir gar nicht mehr darüber geredet. Auch das gehört für mich zu dieser Zeit.

Was ich daraus mitnehme

Zu Hause hatte ich das Gefühl, ständig aufpassen zu müssen. Vieles davon war Rücksicht, manches war Angst. Wenn es bei dir gerade ähnlich ist: Ein ärztliches Gespräch kann klären, was für deinen Haushalt wichtig ist, besonders wenn Kinder dort leben.

Nach zwei Jahren war es bei mir vorbei. Ob das Zufall war? Ich weiß es nicht. Wie es dazu kam, erzähle ich in meiner Geschichte.